Abgeschickt von Frank am 15 April, 2004 um 23:58:29:
Elf Kinder und Jugendliche haben eigenes Theaterstück geschrieben / Sonntag ist Premiere
Piraten aus Lorse: (von links) Eva Kolbeck, Christian Wobbeler, Helena Heil, Lisa Niemann, Jana Esselmann, Hannah Niemann, Marlene Segatz, Annika Niemann, Stefan, Sarah und Nico Borgmann führen Sonntag ihr selbst erdachtes Theaterstück auf.Foto: Wehring
Von Elisabeth Wehring
Fladderlohausen - Am Computer daddeln, vorm Fernseher liegen oder allerhöchstens mal gemeinsam mit Freunden abhängen - ginge es nach den Vorurteilen der Erwachsenen, ist mit unseren Jugendlichen nicht allzuviel anzufangen. Doch es scheint auch Ausnahmen zu geben: In Fladderlohausen treffen sich seit ein paar Monaten fast täglich acht- bis vierzehnjährige Mädchen und Jungen, um freiwillig und mit mühevoller Probenarbeit ein Theaterstück aus eigener Feder einzustudieren.
Das Maß der Eigeninitiative ist groß und (fast) ganz ohne Zutun eines Erwachsenen gewachsen. "Kleinere Stücke haben wir schon desöfteren aufgeführt, das Stück ‘Piraten und Vampire‘ ist jetzt das erste große", bescheinigt Christian Wobbeler, Initiator und mit 14 Jahren "Organisationschef" des gesamten Projektes.
Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Er plant die Proben, schreibt vor, welche Szene "sitzt" und welche wiederholt werden muss. Und so ganz nebenbei ist der Regisseur auch noch Akteur. "Das ist aber nur eine ganz kleine Nebenrolle", schmunzelt der Schüler, der zwar mit sehr viel Spaß, aber auch großem Ernst bei der Sache ist. "Dabei ist er manchmal ganz schön streng", bekennen die beiden Hauptrollen Helena Heil und Jana Esselmann einmütig, aber lächelnd.
Bis zur Premiere am Sonntag Nachmittag müssen alle Mitspieler ihren Auftritt und ihren Text intus haben. Immerhin wurden alle Nachbarn, Freunde und Verwandte in die Lorser Schützenhalle eingeladen. Für den großen Tag mussten in den letzten Wochen bei allen zehn Akteuren die Ferien und die Freizeit hinten an stehen; denn auswendig lernen und sich abhören waren angesagt.
Aber Christian Wobbeler ist zufrieden, alle haben prima mitgezogen. Das Besondere: Auch das umfangreiche Drehbuch mit sämtlichen Dialogen, der Handlung und allen Einstellungen stammt aus der Feder des Lorser Jungen, der sich nach eigenem Bekunden "einfach für Theater interessiert".
Die Idee zum Stück kam ihm beim Film "Fluch der Karibik". Das Leben an Bord, das Piraten- Dasein mit all seinen Facetten, den Trinkgelagen, den nach außen hin harten Männern hat Christian fasziniert. Denn, das weiß er selber: "Ganz tief drinnen sah es bei denen doch auch anders aus." Als Bühnenbild für die Aufführung dient ein Schiff, das eigens dafür aus den Überbleibseln des Dammer Carnevals hergestellt wurde.
Nicht nur der Eifer, mit dem die Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit pauken, ist bemerkenswert. Der Einsatz ist vollkommen ohne Eigennutz: Der gesamte Erlös der Aufführung geht im Rahmen der Aktion "Theater von Kindern für Kinder" an das Kinderhilfswerk Unicef. Und einen Termin für die Scheckübergabe hat Christian Wobbeler auch schon arrangiert.