Abgeschickt von Von Klaus Hoffmann und Andreas Kathe am 21 Dezember, 2003 um 23:36:43:
Gemeinde will grundsätzlich archäologisch wertvolle Funde sichern/Problem: Projekt kostet rund 600000 Euro
Holdorfs Keimzelle: Im Baugebiet Osterort (umrandete Fläche) haben Archäologen Reste einer Siedlung entdeckt, die offensichtlich mit der Gründung des Ortes zusammenhängt.
Holdorf - Holdorfs Untergrund birgt Schätze. Das hat mit Gold und Silber nichts zu tun. Für die Geschichtsforscher aber könnte Holdorf eine dankbare Quelle sein, die uns vieles erzählt über Lebensorte und Lebensweisen unserer Vorfahren. Das erhofft sich zumindest Dr. Jörg Eckert, Bezirksarchäologe aus Oldenburg, in dessen Händen die aktuellen Forschungsarbeiten liegen.
Diese Arbeiten betreffen das neue Baugebiet Osterort. Es grenzt im Osten des Ortes Holdorf an das Baugebiet Am Lagerort an, in dem schon vor gut vier Jahren die Reste einer uralten Siedlung gefunden worden waren (siehe OV vom 26. August 1999). Im Osterort, das steht bereits durch Probegrabungen fest, sind weitere Siedlungsbestandteile unter dem Eschboden versteckt.
Eckert geht davon aus, dass es sich um die ursprüngliche Keimzelle des Ortes Holdorf aus der Zeit um 700 nach Christi Geburt handelt. Die Sachsen - unsere Vorfahren im heutigen Oldenburger Münsterland - bauten um diese Zeit ihre ersten kleinen Hofansammlungen (Streusiedlungen oder auch Gehöftgruppen) mit Hauptgebäuden, Neben- und Arbeitshäusern und Brunnenanlagen. Und diese liegen offenbar oft dort, wo sich später die Eschländereien der dann an neuer Stelle vergrößerten Dörfer befanden.
Während die ersten Siedlungsgrabungen vor vier Jahren nur Notbehelfe waren, weil die Bauherren bereits mit dem Ausschachten ihrer Häuser begonnen hatten, könnten die Archäologen im Osterort etwas ruhiger forschen; das Gebiet soll erst ab 2005 bebaut werden. Ein Problem gibt es allerdings: Die Finanzierung und die organisatorische Abwicklung der Grabung ist noch nicht gesichert.
Hier müssten noch Gespräche geführt werden. Die sollen laut Holdorfs Bauamtsleiter Wilfried Schweigel im Januar auch mit dem Vechtaer Arbeitsamt geführt werden. Denn grundsätzlich will die Gemeinde die Funde sichern. Anderenfalls darf auf der rund einen Hektar großen Fläche im neuen Baugebiet später nicht gebaut werden.
Mit dem Arbeitsamt soll nun verhandelt werden, ob die für die anstehenden Ausgrabungen benötigten Helfer eventuell über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu finanzieren sind. Unklar ist bislang, wie das gesamte Projekt bezahlt werden kann. Immerhin geht es hier um eine Summe von rund 600 000 Euro. Eckert versprach, die Gemeinde bei entsprechenden Anträgen zu unterstützen.
Holdorfs Bodenschätze zu bergen, das dürfte indes ein lohnendes Ziel sein. Denn, so Eckert, dies ist das erste Mal, dass im Oldenburger Münsterland ein solcher frühmittelalterlicher Siedlungsbestand erforscht werden kann.